CAPOEIRA - die Kunst

Capoeira ist eine afro-brasilianische Kampfkunst, bzw. ein Kampftanz, sowie ein nationales Kulturerbe Brasiliens. Allein die Beschreibung „Kampftanz“ drückt bereits aus, wie vielfältig Capoeira sein kann. Es verbinden sich Elemente aus Kampf und Akrobatik mit Musik, Tanz und Ästhetik. So fällt es auch schwer, Capoeira mit anderen Kampfkünsten vergleichen oder erklären zu wollen.

  

Menschen, die Capoeira ausüben, nennen sich „Capoeiristas“. Wenn diese Capoeira ausführen, wird dies als „spielen“ bezeichnet. So kommen zu einem „Spiel“ Capoeiristas zusammen und bilden eine „Roda“ (port. Kreis), die sie mit Instrumenten, Gesang und klatschen vervollkommnen. In der Mitte der Roda treten zwei Capoeiristas gegeneinander an, die durch einen ununterbrochenen Fluss von tiefen, bodennahen Bewegungen über gesprungenen, schnellen Kicks, Finten und Ausweichbewegungen bis hin zu akrobatischen Elementen wie Saltos und Räder, miteinander spielen.  


Capoeira fasziniert und begeistert daher Menschen jeglichen Alters und Hintergrunds und durch die Vielfalt an Bewegungen werden Kraft, Koordination, Geschicklichkeit, Spontaneität, Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit auf positive Art und Weise gelehrt und gefördert.  

Zudem ermöglicht Capoeira einen besseren Einblick in die brasilianische Kultur und Geschichte und fördert neben Körperbeherrschung auch die musikalischen Fähigkeiten.  


Für die meisten ist Capoeira noch viel mehr, als nur ein Sport und wird auch oft als Lebensphilosophie betrachtet, die Respekt und Würde unseren Mitmenschen gegenüber lehrt: da Capoeira erst in der Roda mit anderen Capoeiristas, also in der Gruppe, gespielt werden kann, entwickelt sich rasch ein Gefühl für die Gemeinschaft. Manche übertragen Capoeira sogar auf ihr Leben. So ist das Leben wie ein Spiel, wo man sich auf kreative Art und Weise bewegen und kämpfen muss um sich selbst zu verwirklichen und an den Herausforderungen wachsen zu können. Die Erkenntnis, dass dies nur dank unserer Mitmenschen möglich ist, lässt nicht uns selbst, sondern unser Umfeld ins Zentrum rücken. 

Geschichte von Capoeira

Seinen Ursprung hat Capoeira in der Kolonialisierung Brasiliens im 16. Jahrhundert durch die Portugiesen. Denn diese griffen, um den natürlichen Reichtum des neuen Landes wirtschaftlich zu nutzen, auf Sklaven zurück.
Zu Beginn wurden die dort lebende indigene Bevölkerung versklavt, jedoch starben viele an europäischen Krankheiten, gegen die sie nicht immun waren oder begingen sogar Selbstmord als Zeichen ihres Widerstandes. Rasch dezimierte sich deren Anzahl und brachte die Portugiesen vor ein Problem, für das diese aber schnell eine Lösung fanden: die Versklavung afrikanischer Völker.
Die afrikanischen Sklaven, gegen ihren Willen gefangen und verschleppt, verloren nie die Hoffnung auf Freiheit und hielten an ihrer Kultur fest. So kann man den Ursprung von Capoeira auf den afrikanischen NíGolo ("Zebratanz") und anderen afrikanischen Tänze und Kulte zurückführen.


Es gibt viele Überlieferungen und Legenden zur Entstehung von Capoeira. Seine Existenz wurde jedoch geschichtlich erstmals im 18. Jahrhundert belegt. Capoeira wurde zu dieser Zeit als Tanz, sowie als gefährlicher Kampf gegen Sklavenhalter und mit Schusswaffen bewaffneten Sklavenjägern eingesetzt. Gelehrt und weiterentwickelt wurde Capoeira damals, als Tanz getarnt, auf den Sklavenmärkten oder auf den Feldern der Sklavenhalter. Capoeira-Hochburgen waren zur damaligen Zeit auch die Quilombos, Ansiedlungen geflohener Sklaven und somit Symbole des Kampfes für die Freiheit, die fernab der portugiesischen Länderein versteckt lagen.  

Das nächste große Kapitel von Capoeira fand im 19. Jahrhundert statt. Nachdem die Sklaverei abgeschafft wurde, entstand eine hohe Arbeitslosigkeit und viele ehemalige Sklaven standen ohne Arbeit, Essen oder Obdach da. Um zu überleben fingen sie an, mit Hilfe von Capoeira zu plündern und zu rauben. Diese Form von Capoeira wurde besonders in den Hafenstädten Rio de Janeiro, Recife und Salvador da Bahia angewandt. Capoeira entwickelte sich zu dieser Zeit zu einer Art Straßenkampf und wurde schließlich verboten und mit Verbannung oder Gefängnis bestraft.


Dank Mestre Bimba (Manoel dos Reis Machado) und der Einführung von Capoeira Regional, einer Mischform bestehend aus dem Straßenkampf-Capoeira und Elementen aus asiatischen Kampfsportarten, erhielt Capoeira wieder Ansehen und wurde schließlich 1937 durch den nationalistischen Diktator Getúlio Vargas, der Capoeira zu einem nationalen Sport etablieren wollte, wieder legalisiert.
Zur selben Zeit unterrichtete Mestre Pastinha (Vicente Ferreira Pastinha) Capoeira Angola, um so der "Mischform" des Capoeira Regional vorzubeugen und die Reinheit der ursprünglichen Capoeira-Form zu wahren.
Dadurch begann der soziokulturelle Aufstieg von Capoeira und wurde zu einem der wichtigsten kulturellen Ausdrucksformen Brasiliens.
Capoeira überlebte die Sklaverei und ist somit auch ein Zeichen des Widerstandes und des Überlebenskampfes.  

Die Stile

CAPOEIRA ANGOLA

Capoeira Angola ist die ältere der beiden Hauptformen des brasilianischen Kampftanzes und gilt auch als die ursprüngliche Version der Capoeira. Früher wurde es nur als Capoeira bezeichnet. Nach dem Erscheinen von Capoeira Regional benannte man es zur Unterscheidung in Capoeira Angola um. So sollte verdeutlicht werden, dass es sich hierbei um das ursprüngliche Capoeira handelt (die brasilianischen Sklaven, die Capoeira entwickeltet hatten, stammten zum Großteil aus Angola).


Als Gründer der heutigen Capoeira Angola wird Mestre Pastinha (Vicente Ferreira Pastinha) betrachtet, der nach der Aufhebung des Capoeira-Verbots 1937 eine der ersten Capoeira Angola-Schulen eröffnete.
Im Spiel wird bei Capoeira Angola großer Wert auf die Wahrnehmung des Gegenübers gelegt, daher wird langsam und konzentriert gespielt. Dabei ist es wichtig, durch ein schönes Spiel mit fließenden Bewegungen, Schlägen und Ausweichbewegungen ein harmonisches Zusammenspiel zu schaffen.
Die Spieler in der Roda wirken mit ihren langsamen Bewegungen dabei auf den ersten Blick oft unkoordiniert und erwecken den Anschein von Trägheit. Dieser Eindruck wird sofort revidiert, sobald blitzschnelle Attacken aus einer Bewegungssequenz folgen.


Capoeira Angola ist dafür bekannt, dass man mit Schlitzohrigkeit (Malicia) und Täuschungen (Fintas) versucht, den Gegner zu überlisten.
Bei Capoeira Angola wird außerdem viel Wert auf Stil gelegt. So ist es nicht selten, dass in den Rodas in Bahia sogar im Anzug und Hut gespielt wird! Trainiert wird in der Regel jedoch in einer schwarzen Hose und einem gelben T-Shirt, dazu wird normalerweise ein Gürtel getragen. Oftmals werden flache Schuhe getragen, niemals wird aber oberkörperfrei gespielt.
Die Lieder bei Capoeira Angola sind häufig sehr wehmütig und werden ruhig und langsam gesungen. Meistens erzählen die Lieder Geschichten aus der Sklavenzeit. 

 CAPOEIRA REGIONAL

Capoeira Regional ist die impulsivere und jüngere Form der beiden Capoeira-Arten. Gründer dieser Form ist Mestre Bimba (Manuel dos Reis Machado), der dem damaligen Bild der Capoeira (Straßenkampf) mit ablehnender Haltung gegenüberstand. Daher war sein Gedanke, eine moderne und anerkannte Kampfkunst zu entwickeln.
Er bereicherte Capoeira durch Elemente aus Jiu Jitsu und Batuque und gründete im Jahr 1930, noch während des Capoeira-Verbots, die erste offizielle Capoeira-Schule. Davor lernte man Capoeira nur auf den Straßen, und während der Sklavenzeit auf den Feldern und Märkten, durch einfaches zuschauen.
Capoeira Regional selbst wird in zwei Arten unterteilt: Sao Bento Grande und Benguela. Diese beiden Arten werden üblicherweise gemeinsam an den Capoeira Regional-Schulen unterrichtet. Ab einer gewissen Graduierung (Kordelfarbe) wird sogar Capoeira Angola gelehrt. An einer Capoeira Angola Schule ist es jedoch nicht möglich, auch Capoeira Regional zu erlernen. 


Sao Bento Grande zeichnet sich durch seine schnellere Technik, den hohen und direkten Tritten und Schlägen, sowie akrobatischen Einlagen aus. Auch das Umwerfen des Partners ist erlaubt.
Die Absicht, andere Spieler zu beeinträchtigen oder gar zu verletzen ist bei nahezu allen Capoeira Verbänden und Vereinen nicht erwünscht!
Musikalisch wird das Spiel von einem Chor-Gesang begleitet, jedoch anders als bei Capoeira Angola wird hier auf lange melancholische Strophen und Melodien verzichtet. Stattdessen soll die lautere Musik die Spieler beim Sao Bento Grande anheizen. 


Benguela ist dagegen eine etwas langsamere Art der Sao Bento Grande, die verstärkt Elemente der Capoeira Angola beinhaltet. So kommt es, dass Benguela recht bodennah gespielt wird, wie bei Capoeira Angola üblich. Die Tritte, Schläge und Akrobatik, sowie der Chor-Gesang bei Benguela, bleiben jedoch Eigenschaften aus der Sao Bento Grande.
Optisch unterscheiden sich die Regional-Spieler recht stark von den bunten und auf Stil achtenden Angoleiros. Die Kleidungsvorschrift der Regional-Spieler erinnert dabei eher an die der asiatischen Kampfsportarten. Weiße Hosen und weiße T-Shirts (meistens mit dem jeweiligen Vereinsaufdruck), sowie farbige Kordeln (Cordas) sind ihre Erkennungsmerkmale. Capoeira Regional wird mit nackten Füßen (und teilweise auch nacktem Oberkörper) ausgeübt. 

Musik

Sehr wichtig beim Capoeira sind die Instrumente, die jeder Schüler mit der Zeit lernt zu beherrschen.


Das Hauptinstrument der Capoeira nennt sich Berimbau. Es handelt sich um einen Musikbogen, der aus dem sehr elastischen Biriba-Holz gefertigt wird, welches nur in Brasilien wächst. Der Holzstab (Verga) wird mit einer Metallsaite (Arame) gespannt. Als Klangkörper wird ein ausgehöhlter Kürbis (Cabaça) verwendet. In der Hand hält der Musiker außerdem noch eine Holzrassel (Caxixi), ein Schlagstöckchen (Baqueta) und eine Münze oder einen Stein (Dobrão).
Das spielen des Berimbaus verlangt Fingerkraft, sowie Koordination und ein gutes Rhythmusgefühl. 

 

Es gibt verschiedene Berimbaus mit unterschiedlichen Klangkörpern:


Gunga: Ein tief gestimmtes Berimbau. Es wird zu Beginn einer Roda als erstes angespielt. Traditionell wird darauf der Grundrhythmus gespielt.


Medio: Ein mittelhoch gestimmtes Berimbau. Es wird nach der Gunga angespielt. Auf ihm spielt man den Takt des Grundrhythmus rückwärts.


Viola: Ein hoch gestimmtes Berimbau. Es wird als letztes angespielt und mit ihm werden ausschließlich Improvisationen des Grundrhythmus gespielt.

Nach den Berimbaus wird das Atabaque bei einer Roda angestimmt. Dabei handelt es sich um eine große Seiltrommel mit tiefer Stimmung, das den Grundrhythmus unterstützt. 


Ein weiteres Instrument bei Capoeira ist das Pandeiro, eine Art Tamburin, welches unterstützend zu den Berimbaurhythmen wirkt und ebenfalls den Grundrhythmus betont. Bei einer Roda wird das Pandeiro nach dem Atabaque angestimmt.
Als letztes und kleinstes Instrument gibt es noch das Agogô. Es handelt sich hierbei um eine doppelte Metallglocke, die mit einem Holzstab angeschlagen wird. Sie setzt bei einer Roda als letztes Instrument ein.  


Neben den Instrumenten, sind die Lieder beim Capoeira nicht wegzudenken. Die Lieder werden auf Portugiesisch gesungen und stammen teilweise noch aus der Sklavenzeit. 


Beim Capoeira gibt es drei Liedarten, zu denen gesungen wird:
Ladainhas werden beim Angolaspiel verwendet. Hier werden in langen, getragenen Strophen oftmals ganze Geschichten erzählt.
Quadras verwendet man beim Benguela. Auch hier wird in langen Strophen gesungen, die aber kürzer sind als bei den Ladainhas.
Corridos werden bei São Bento Grande gesungen. Es sind kurze Stücke, bei denen ein Capoeirista vorsingt, während die Gruppe der Roda ihm in einem Coro antwortet. 

Mestres - die Capoeira "Gründer"

Mestre Pastinha

"Mein Freund, ich war schon von der Natur bestimmt, aus Asche geschaffen, Capoeirista zu werden. Ich lernte Willenskraft mit Freude, nicht mit Traurigkeit."
Vicente Ferreira Pastinha, geboren am 15. April 1889, Sohn eines Spaniers und einer Mestize schwarzafrikanischer Abstammung. Sein Vater war ein Händler im historischen Zentrum von Salvador, seine Mutter lebte vom Verkauf von "aracajé" und dem waschen für verschiedene Familien. Als kleiner Junge lernte Pastinha die Capoeirakunst kennen. Hierzu gibt es eine kleine Geschichte: ein älterer und stärkerer Junge aus der Nachbarschaft hatte ihn häufig verprügelt. Eines Tages sah Benedito dieses und bat Pastinha, zu seinem Haus zu kommen, wo er ihm einige Dinge beibringen werde. Er schärfte ihm ein, seinen Gegner nicht zu provozieren, sondern seine Kampfkenntnisse so gut als möglich zu verbergen. Beim nächsten Zusammentreffen mit dem Jungen soll Pastinha ihn so schnell besiegt haben, dass der ältere Junge zu seinem Bewunderer wurde.
Während seiner Jugend besuchte er morgens Malkurse an der Kunstschule Liceu de Artes e Ofício; während der Nachmittage spielte er mit Papierdrachen und lernte Capoeira. Er führte sein Training mit Benedito drei Jahre fort. Da sein Vater mit seinen Capoeirakämpfen nicht einverstanden war, schickte er ihn auf eine Marineakademie. Er konnte deshalb sein Training nicht weiterführen, brachte aber auf der Schule seinen Freunden Capoeira bei. Im Alter von 21 Jahren verließ er die Schule, um ein hauptberuflich Maler zu werden. In seiner Freizeit trainierte er im Geheimen weiterhin Capoeira, was zu dieser Zeit in Brasilien immer noch illegal war.
Mestre Pastinha nahm 1941, einer Einladung von Aberrê, seinem früheren Schüler, folgend, an einer sonntäglichen Roda auf der "Ladeira do Gengibirra" im Stadtteil "Liberdade" teil. Hier waren die besten Meister anzutreffen.

Aberrê war schon lange berühmt in diesen Rodas und nachdem Pastinha einen Nachmittag dort verbracht hatte, fragte ihn einer der besten Meister von Bahia, Mestre Amorzinho, ob er nicht Capoeira Angola unterrichten wolle. Als Ergebnis gründete Pastinha 1942 die erste Capoeira Angola-Schule, das „Centro Esportivo de Capoeira Angola“ im Stadtteil Pelourinho. Seine Schüler trugen schwarze Hosen und gelbe T-Shirts, die gleichen Farben die der "Ypiranga Futebol Clube" benutzte, Pastinha´s Lieblingsclub.

Er nahm mit der brasilianischen Delegation am „First International Festival de Artes Negras“ in Dakar (Senegal), teil. An diesem Festival waren auch Mestre João Grande, Mestre Gato Preto, Mestre Gildo Alfinete, Mestre Roberto Satanás und Camafeu de Oxossi dabei.

Pastinha ist viel durch die Welt gereist, um Brasilien durch die Capoeira zu repräsentieren. Er nutzte alle seine Talente um sich für sie einzusetzen. Er schrieb ein Buch. Er malte und schrieb Poesie, um Fundamente der Verteidigung und des Angriffes zu zeigen. Er organisierte Präsentationen für alle, die die Schönheit der Capoeira noch nicht kannten. Er regte Männer, Kinder und sogar Ehefrauen seiner Schüler zum Capoeiraunterricht an, da er glaubte, dass diese Kunst für ALLE geeignet sei.
Als er 84 Jahre alt war, wurde sein Sportzentrum von der Verwaltung geschlossen und er musste in einem kleinen Zimmer mit seiner zweiten Ehefrau, Dona Maria Romélia, oder Dona Nice, wie sie zärtlich genannt wurde, wohnen. Sie lebten nur vom Verkauf von "aracajé", die seine Frau anfertigte und von der Hilfe seiner Freunde.
Am 12. April 1981 trat er zum letzten Mal in der Roda an. Am Ende wurde er in einem Obdachlosenheim in Salvador einquartiert. An einem Freitag, am 13. November 1981, starb Pastinha mit 92 Jahren als gebrochener Mann in Bitterkeit über seine Behandlung.

Nur zwei seiner besten Schüler sind noch übrig, Mestre João Grande und Mestre João Pequeno, die weiterhin Pastinhas Erbe in der Welt verbreiten.

"Capoeira ist unter allen Kampfkünsten am beliebtesten, Gott zeichnete sie als pur und schön." 

Mestre Bimba

 Manuel dos Reis Machado, auch Mestre Bimba genannt, war ein brasilianischer Capoeirista und gilt als Begründer der heutigen Capoeira Regional.

Geboren wurde er am 23.11.1900 in Salvador de Bahia. Damals erhielt er auch bereits seinen Spitznamen, Bimba. Seiner Mutter (Maria Martinha do Bomfim) war damals überzeugt, ein Mädchen auf die Welt zu bringen. Die Hebamme jedoch wettete gegen die Überzeugung der Mutter. Als das Kind zur Welt kam und man erkennen konnte, dass es ein Junge war, rief die Hebamme „Bimba“, wie in Bahia das männliche Geschlechtsorgan genannt wird.

Von seinem Vater (Luiz Cândido Machado), einem Meister dieser Kunst, erlernte der damals noch junge Manuel (Mestre Bimba) den wilden und gewalttätigen afrikanischen Kampf, genannt Batuque. Hier ist es das Ziel, den Gegner allein mit Hilfe der Beine zu Fall zu bringen.

Im Alter von 12 Jahren kam Mestre Bimba dann das erste Mal mit Capoeira in Kontakt und erlernte als Schüler von Bentinho, ein Kapitän der Schifffahrtsgesellschaft von Bahia, vier Jahre lang den damaligen Kampftanz. Danach begann er selbst zehn Jahre lang den damaligen Capoeira-Stil bei der Hafenverwaltung in Bahia zu unterrichten.

Mit der Zeit entwickelte sich bei Mestre Bimba jedoch der Eindruck, dass sich die Capoeira verändern müsste. Seiner Meinung nach bot Capoeira zu wenig Kampfhandlung und diente lediglich noch für Vorführungen auf Plätzen und Märkten. Dies weckte in ihm auch die Besorgnis, dass Capoeira im Schatten anderen Kampfkünste, wie z. B. Judo oder Karate, aussterben könnte. Daher verknüpfte er Capoeira mit Batuque, um mehr Agilität in die Bewegungen zu bringen und somit ein motiviertes, dynamisches und akrobatisches Spiel zu schaffen.

Zur damaligen Zeit, in der Mestre Bimba aufgewachsen ist, war Capoeira ein geächteter Straßenkampf und das Ausüben war gesetzlich verboten. Wer Capoeira dennoch anwendete wurde gejagt und oftmals sogar sehr schwer bestraft! Somit wurde Capoeira auch nicht an Schulen unterrichtet. Mestre Bimba umging dieses Verbot jedoch und unterrichtete seine „neue“ Capoeira unter dem Decknamen „Luta Regional Baiana“ (Regionalkampf von Bahia) in seinem Studio. Das erste Capoeira-Studio gründete er somit im Jahre 1932 in Bahia.

Zu dieser Zeit durchlief Brasilien auch eine Phase vieler Änderungen auf politischer, kultureller und sozialer Ebene. Durch die Modernisierung war es Mestre Bimba schließlich möglich, seinen Capoeira-Stil publik zu machen und so gab er im Jahr 1936 seine erste öffentliche Vorstellung. Ein Jahr darauf wurde er eingeladen im Regierungspalast, vor diversen wichtigen Persönlichkeiten aus Staat, Verwaltung und Gesellschaft, aufzutreten. Mestre Bimba überzeugte seine Zuschauer von seiner Capoeira Regional, so dass Capoeira letztendlich auch zum Nationalsport Brasiliens ernannt wurde. Durch diese Ereignisse wurde sogar Mestre Bimbas Capoeira-Schule am 23.06.1937, als erste in Brasilien, gesetzlich anerkannt.

Im Jahr 1942 gründete er seine zweite Capoeira-Schule (Academia) in Terreiro de Jesus, die auch heute noch unter der Leitung seines damaligen Schülers, Mestre Vermelho (heute Mestre Bamba), steht.

Mestre Bimba unterrichtete viele Schüler, auch zahlreiche Persönlichkeiten des politischen und sozialen Lebens in Bahia, sofern sie seine Aufnahmeprüfungen bestanden. Er ernannte in seiner gesamten Capoeirazeit jedoch keinen einzigen Mestre.

1972 nahm Mestre Bimba an seiner letzten „Batizado“ teil und verstarb am 15.02.1974 an einer Gehirnblutung in einem Krankenhaus in Goiânia. Verbittert von falschen Versprechungen der Regierung, Mangel an Unterstützung und finanziellen Problemen war es ihm leider nicht möglich mitzuerleben, wie sich seine Capoeira entwickelt hat und heute respektiert wird. 

Etikette

 

Es gibt zwei Möglichkeiten für einen Capoeirista, in die Roda einzutreten um zu spielen...
Die erste ist, wenn zwei Spieler zu Füßen des tonangebenden Berimbaus knien, sich die Hand geben und mit einer Aù (Rad) in die Roda starten. Sobald ihr Spiel beendet ist, geben sie sich erneut die Hand und bewegen sich schnell aus dem Kreis, um ihn wieder freizugeben. Anzumerken ist, dass man nie mit dem Rücken zum Mittelpunkt der Roda stehen sollte, egal ob man draußen oder drinnen steht, und vor allem wenn man den Kreis verlässt nach einem Spiel. Hierbei geht es um die Sicherheit - ein anderer Spieler hat vielleicht nicht gesehen, dass Du die Roda noch nicht komplett verlassen hast, bevor er anfängt mit seinen Kicks und Sprüngen. Aus der anderen Perspektive gesehen, solltest Du aufpassen, wo die anderen Spieler sind, die die Roda verlassen, bevor Du eintrittst. 
Die zweite Möglichkeit, in den Kreis zu kommen, ist, das Spiel zu "kaufen", eine sog. "Compra". Während der Trainings oder Übungsrodas (keine live Instrumente und Singen) können alle Kordeln das Spiel kaufen. In einer offiziellen Roda können nur höhere Kordeln das Spiel kaufen. Eine niedrigere Kordel darf keine höhere auskaufen, außer der Mestre oder der Professor, der die Roda leitet, gibt die Erlaubnis dazu. Wenn Du auf diese Weise eintrittst, ist es sehr wichtig, sicherzugehen, dass Dich beide Spieler sehen können. Gehe seitlich heran und sei deutlich in deiner Bewegung.Es gibt eine Etikette, in der Roda zu kaufen, die schwer zu erklären ist... beobachte die höheren Kordeln und zögere nicht, auch Fragen zu stellen. 

Maculelê

Ein weiterer brasilianischer Kampftanz ist Maculelê, der ähnliche Wurzeln wie Capoeira hat und vermutlich ebenfalls afrikanischen und / oder indianischen Ursprungs ist.


Maculelê und seine Vergangenheit sind jedoch noch ungewisser, als die der Capoeira.
Eine Theorie besagt, Maculelê sei bei der Arbeit auf Zuckerrohrfeldern entstanden. Andere erzählen, Maculelê wurde zur Feier der Ernte getanzt oder habe einen religiösen Ursprung. Möglicherweise war es sogar einmal eine Kampftechnik der Sklaven!


Eine weitere Legende erzählt die Geschichte eines Mannes, der bei Frauen und Kindern im Dorf zurückblieb, während die anderen Männer auf der Jagd und fischen waren. Als das Dorf überfallen wurde, opferte der Mann sein Leben und rettete dadurch die Frauen und Kinder des Dorfes mit nur zwei Stöcken in den Händen. Zu Ehren dieses Mannes tanzte man Maculelê.

Wie auch immer Maculelê letztendlich entstanden ist, es starb nach Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1888 fast komplett aus und wurde kaum nochgesehen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Maculelê von Vavá und Mestre Popo wieder ins Leben gerufen und in das heutige Capoeira integriert. So findet man Maculelê heute hauptsächlich in Capoeira Schulen.  


Im Gegensatz zur Capoeira handelt es sich bei Maculelê um einen Stock- bzw. Messerkampf. Jeder Kämpfer führt entweder zwei Holzstöcke, genannt grimas, die ca. einen halben Meter lang sind, oder zwei Messer (Macheten), wie sie zur Ernte von Zuckerrohr üblich waren. Die Tänzer tragen die für bahianischen Tänze üblichen Kostüme aus palha (Stroh). Ausgeführt wird Maculelê, ähnlich wie Capoeira, in einer Roda, in der sich zwei Tänzer gegenüber stehen. Begleitet wird der Kampftanz mit Wechselgesang und klatschen. Den Takt und somit die Geschwindigkeit der Bewegungen gibt das Atabaque vor, während die Tänzer die Stöcke / Messer in einem bestimmten Rhythmus gegeneinander schlagen. Die Bewegungen, die dabei ausgeführt werden, können je nach Laune des Tänzers akrobatisch oder eher tänzerisch sein.